[Start]
[Meinungen]
[Atomforum Wintertagung]
[Atomforum2009]
[Zeitungsartikel  Leserbriefe]
[Mensch und Klima]
[Biogas N├╝rburgring]
[Utopie Saharastrom]
[Bad Honnef]
[KKWM├╝hlheim-K├Ąrlich]
[Besuch Gorleben]
[Energiepolitik Reul]
[├ľkostromschwindel]
[├ľttinger Klartext]

Letzte ─nderung: 12.11.2014 

Reinhold Zitzelsberger Webmaster

 

Atomforum 2007

Sie befinden sich hier:

>Start >Energie >Meinungen

Kernenergie nutzen

- aber Rot/Gr├╝n ist dagegen -

 

Man spricht wieder ├╝ber die Erzeugung von Energie durch Kernkraft. Doch die Auffassung ├╝ber die weitere Nutzung der Kernkraftwerke zwischen den Rot/Gr├╝nen-Parteien und den anders denkenden (CDU/CSU und FDP) ist so gravierend, dass ein Konsens schwierig zu erreichen sein wird – obwohl vieles f├╝r die weitere Nutzung und den Neubau von Kernkraftwerken spricht. ├ťbrigens steht Deutschland mit dem Ausstiegsbeschluss mit seiner Meinung allein da in Europa (und der Welt)!

Das waren wohl die wesentlichen Ergebnisse der Wintertagung des Atomforums, einer Interessengemeinschaft der Betreiber von Kernkraftwerken. Auf der Tagung Anfang Februar 2007 in Berlin sprachen und diskutierten hochrangige Vertreter der Parteien (B├Ąrbel H├Âhn (MdB), stellvertretende Fraktionsvorsitzende B├╝ndnis 90/Die Gr├╝nen und Erwin Huber, Staatsminister f├╝r Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie des Freistaates Bayern (CSU)), des Europ├Ąischen Parlaments (Herbert Reul (MdEP), energiepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament) und der Wirtschaft (DIHK-Pr├Ąsident Georg Braun). Hinzu kamen namhafte Professoren aus der Wirtschaft.

Dass drau├čen gegen die Tagung im Maritim Hotel demonstriert wurde, merkten die Tagungsteilnehmer nicht, weil die Beh├Ârden die Demo auf die 150 m entfernt liegende Allee ÔÇ×Unter den Linden“ verlegt hatten.

Dr. Walter Hohlefelder, Pr├Ąsident des Deutschen Atomforums, und unter der fr├╝heren Umweltministerium Angela Merkel hoher Beamter im BMU, betonte einleitend, dass das Thema Energiepolitik aufgrund j├╝ngster Problemf├Ąlle wie Abschaltung von Gas durch russische Lieferanten und Reduzierung der CO2-Emissionen ganz oben auf der politischen Agenda stehen w├╝rde. Im Sommer werde es in Deutschland einen weiteren Energiegipfel geben, den die Bundeskanzlerin pers├Ânlich leiten werde. Anforderungen an die Energieerzeugung seien Umweltfreundlichkeit, Verf├╝gbarkeit und Wirtschaftlichkeit – alles Merkmale, die die Kernkraftwerke erf├╝llen w├╝rden.

Ganz anderer Meinung war dagegen Staatssekret├Ąr Matthias Machnik (SPD) vom BMU. Er sah keinen Grund, von dem Koalitionspapier (Ausstieg aus der Kernenergie) abzuweichen. Daf├╝r gab es keinen Beifall.

Diesen erntete Erwin Huber (Bayerischer Anw├Ąrter f├╝r die Nachfolge von Edmund Stoiber als CSU-Chef). In Bayern, so Huber, werde etwa 80 % des Energiebedarfs aus Kernkraftwerken abgedeckt. Dank der geographischen Lage erfolge ein hoher Anteil aus Wasserkraft. Bayern habe, so Huber, auch aufgrund der wirtschaftlichen Energieerzeugung sich von einem Agrarland in ein Industrieland mit einer gut florierenden Wirtschaft entwickelt. Dabei liege die CO2-Belastung unter der des Bundesdurchschnitts. Will man den wirtschaftlichen Aufschwung weiter f├Ârdern, so m├╝ssen auch die Kernkraftwerke weiter betrieben werden d├╝rfen. Andernfalls werde ÔÇ×Volksverm├Âgen“ unsinnigerweise vernichtet und die Strompreise w├╝rden weiter steigen.

Interessant auch die Ausf├╝hrungen von Georg Braun, Pr├Ąsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Gerade der Mittelstand sei auf preisg├╝nstige Energie angewiesen (beispielsweise betragen in einer B├Ąckerei die Energiekosten 10 bis 15 % des Materialaufwandes) und er forderte deshalb, dass in einem Energiemix die Kernkraft erhalten bleiben m├╝sse. Scherzhaft bemerkte er hierzu, dass ihm der Naturschutzbund NABU einen ÔÇ×Ehrenpreis“ f├╝r seine Auffassung (= Ausstieg aus dem Ausstiegsbeschluss) verliehen h├Ątte.

In der abschlie├čenden Podiumsdiskussion trafen die unterschiedlichen Meinungen zur Kernkraft nochmals ganz krass aufeinander. B├Ąrbel H├Âhn setzte sich f├╝r einen weiteren Ausbau alternativer Energien ein. Allerdings war ihre Argumentation, wie man mit Windkraft (die ja nicht immer verf├╝gbar ist) eine Grundlast in der Stromversorgung decken wolle, nicht schl├╝ssig. Auch ihr Vorschlag, dass man Windkraftr├Ąder der ersten Generation durch leistungsst├Ąrkere ersetzen soll, fand nicht die Zustimmung der anderen Teilnehmer und der Diskussionsrunde.

Unterschiedlicher konnten die Meinungen der Referenten und Diskussionsteilnehmer der Wintertagung des Atomforums wohl nicht sein – aber der weitaus ├╝berwiegende Teil der Teilnehmer war f├╝r die Fortsetzung des Energiemixes mit Kernenergie – andernfalls droht Deutschland ein wirtschaftlicher und umweltbezogener Abstieg in Europa. Im ├╝brigen habe eine Meinungsumfrage ergeben, dass 61 % der Bev├Âlkerung f├╝r die Beibehaltung der Energieerzeugung durch Kernkraftwerke ist – bis andere Energiequellen gefunden werden. Ein Abschaffen der Kernkraftwerke w├╝rde die Erzeugerpreise f├╝r Strom gewaltig erh├Âhen (eine kw/h aus Kernenergie kostet 3 Cent und eine solche aus Windkraft 19 Cent) und das wollen weder private Stromabnehmer noch der Mittelstand und schon gar nicht die Industrie. Auch w├╝rde es ein Energieloch geben und Energie m├╝sste aus dem Ausland eingef├╝hrt werden. In diesem Zusammenhang wurde auch darauf hingewiesen, dass in den neuen Beitrittsl├Ąndern zur EU neue Kernkraftwerke in Bau seien.

In seinem Schlusspl├Ądoyer betonte Dr. Walter Hohlefelder nochmals, dass die Energieerzeugung aus Kernkraftwerken umweltfreundlich, wirtschaftlich und immer verf├╝gbar sei. Im ├╝brigen wies er auf den hohen Sicherheitsstandard der deutschen Kernkraftwerke hin. Beispielsweise k├Ânnte ein Zwischenfall wie in Tschernobyl oder auch der j├╝ngste Zwischenfall in Forsmark (Schweden) in einem deutschen Kernkraftwerk nicht geschehen.

  

 

Eine Auswahl von Bildern, angefangen von den Rednern Dr. Walter Hohlefelder(Tagungsleiter), Prof. Dr.J├╝rgen Falter(Uni ). B├Ąrbel H├Âhn(MdB,Die Gr├╝nen), Erwin Huber(Wirtschaftsminister Bayern,CSU), Matthias Machnik(Staatssekret├Ąr BMU,SPD), Georg Braun(Pr├Ąsident DIHK) ,vom  Dessert zum Abendessen bis hin zur Demo gegen die Tagung auf der Allee ÔÇÜUnter den Linden’.

Wechselbilder

zur├╝ck

Gl├╝ck auf“

- Portrait Wolfgang Clement -

In dem ÔÇ×Portrait“ ├╝ber Wolfgang Clement und seinen Auftritt anl├Ąsslich der Wintertagung des Atomforums wird die Situation vollkommen falsch dargestellt. Schon in der Einleitung, dass Wolfgang Clement f├╝r den ÔÇ×Atomstromerzeuger“ RWE t├Ątig sei, wird Polemik verbreitet. W├Ąre der Korrespondent Holger M├Âhle bis zum Ende der Veranstaltung des Atomforums dabei gewesen, h├Ątte er von dem fr├╝heren Bergmann Dr. Ulrich Jobs, heute Mitglied des Vorstandes der RWE AG erfahren, dass der Stromerzeuger RWE auch Stromenergie mit eigenen Windkraftr├Ądern erzeugt und aufgrund der unsicheren politischen Lage zumindest in Deutschland auf die Stromerzeugung durch moderne Kohlekraftwerke setzt (obwohl Strom aus Kernkraftwerken viel billiger und umweltfreundlicher ist).

Einleitend sollte man auch erw├Ąhnen, dass Clement 1986 bei dem N├╝rnberger Parteitag mit dabei war und den Atomausstiegsbeschluss der SPD mit verfasst hat. Der Einfachheit halber hier das Zitat aus Clements Rede: ÔÇ×Ich begleitete damals Johannes Rau, seinerzeit Kanzlerkandidat der SPD, der sich – und ich auch – erst nach intensiven Diskussionen dazu durchrang, dem Ausstiegsbeschluss zuzustimmen, und dies vor allem anderen im Blick auf die Risiken des Missbrauchs der Kernenergienutzung f├╝r milit├Ąrische und terroristische Zwecke. Wir wissen heute, dass diese Sorge vollauf berechtigt war – siehe Nordkorea, Iran, Pakistan -, aber dass es in Anbetracht der weltweiten Ausbreitung der Kernenergienutzung inzwischen naiv geworden ist zu glauben, an diesem Missbrauchsrisiko werde ein Ausstieg Deutschlands auch nur ein Jota ├Ąndern. Im Gegenteil, wir verspielen allenfalls Einflussm├Âglichkeiten.“.

 

Der Einfachheit halber und zur Information f├╝r die Leser des General Anzeigers m├Âchte ich einige Aussagen von Wolfgang Clement wieder geben:

  • - Man kann da nicht zuschauen, wenn der Industriestandort Deutschland in Gefahr ger├Ąt
  • - Tatsachen zur k├╝nftigen Energieversorgung werden nicht zur Kenntnis genommen
  • - Ein intelligenter Umgang mit Energie wird gefordert
  • - Die Energiediskussion ist von Emotionen gepr├Ągt
  • - Bis 2030 wird ein erh├Âhter Energieverbrauch von 60 % erwartet
  • - Energieversorgung sollte k├╝nftig eine europ├Ąische Aufgabe sein
  • - Eine Planungssicherheit f├╝r Energieversorger ist nur bis 2012 gew├Ąhrleistet
  • - Deutsche Kernkraftwerke haben den h├Âchsten Sicherheitsstandard in der Welt
  • - Deutschland hat die M├Âglichkeit, als erstes Land der Welt die Endlagerung zu regeln
  • - Eine Kilowattstunde, erzeugt durch Fotovoltaik, kostet 50 Cent
  • - Kein Land der Welt hat den Atomausstieg vollzogen
  • - In Deutschland haben wir ein einmaliges wissenschaftliches Potential, um eine Energiepolitik unter Einschluss der Kernenergie zu betreiben
  • - Kritiker der Kernindustrie verzichten qualitativ nachvollziehbar darauf, wie die Kernenergie konkret ersetzt werden soll
  • - Ich habe nachgefragt, wie die hessische SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti nicht mehr nur f├╝r den Ausstieg aus der Kernenergie eintrat, sondern auch noch ein Nein zu Kohlekraftwerken hinzuf├╝gte.
  • - Deutschland wird k├╝nftig mehr und mehr von ├ľl- und Gaspreisen auf den Weltm├Ąrkten abh├Ąngig
  • - Das europ├Ąische Kraftwerkpaket veraltet derweil zunehmend, muss in den kommenden Jahren von Grund auf erneuert werden
  • - Im Januar 2006 waren weltweit 22 Kernkraftwerke in Bau, 40 in der Planung und 113 vorgeschlagen. Die mit dem SPD-Parteitagsbeschluss von 1986 beschlossene Vorreiterrolle Deutschland zum Ausstieg aus der Kernenergie erscheint demnach absurd.
  • - Im Jahr 2005 waren unter den 10 weltbesten Kernkraftwerken 6 aus Deutschland.
  • - Eine Kilowattstunde, erzeugt durch Windstrom, wird mit 300 % subventioniert.

Ich m├Âchte hier mit Aussagen aus dem Vortrag von Wolfgang Clement abschlie├čen.

 

├ťbrigens wird in dem ÔÇ×Portrait“ unterstellt, dass Wolfgang Clement die Aussage ├╝ber die k├╝nftige Nutzung der Kernenergie im Zusammenhang mit seiner Aufsichtsratst├Ątigkeit (Lobbyismus) bei der RWE get├Ątigt h├Ątte. Ich glaube nicht, dass sich ein weitsichtiger ehemaliger Bundeswirtschaftsminister f├╝r 20.000 ÔéČ f├╝r eine Aussage pro Kernenergie kaufen l├Ąsst. Auch ich bin kein Lobbyist, sondern nur ein normaler Stromverbraucher und m├Âchte eigentlich nur sichergestellt haben, dass ich auch in den n├Ąchsten Jahren auf eine sozialvertr├Ągliche und gesicherte Stromversorgung bauen kann.

zur├╝ck

Kernkraft – warum nicht?

Gro├čbritannien baut weitere Kernkraftwerke.

Der GA berichtete, dass Gro├čbritannien sich f├╝r den Bau weiterer Kernkraftwerke entschieden habe und alte Kernkraftwerke von Fall zu Fall abschalten wird. Nach Frankreich ist es also ein weiterer EU-Staat, der sich pro Kernenergie ausspricht.

In Deutschland sind nat├╝rlich die Meinungen unterschiedlich, aber Wirtschaftsminister Michael Glos setzt sich ebenfalls dringend f├╝r die Beibehaltung der deutschen Kernkraft ein, da sie den Hauptanteil in dem Strommix (CO2- und Feinstaubfrei und auch sehr preisg├╝nstig) liefert. Es d├╝rfte auch bekannt sein, dass viele respektierte Pers├Ânlichkeiten f├╝r die Kernkraft bzw. gegen den von uns beschlossenen Ausstieg sind. Um ein paar Beispiele zu nennen: die SPD-Mitglieder Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und der Ex-Repower Chef Prof. Fritz Vahrenholt; der j├╝ngst mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Prof. Gr├╝nberg, der es im Interview als Augenwischerei bezeichnete, wenn wir aussteigen und dann bei einem drohenden Blackout Atomstrom aus Frankreich importieren.

Sogar der Vatikan bef├╝rwortet die friedliche Nutzung der Kernenergie: Kardinal Martino z.B. nannte in einem Gespr├Ąch mit Radio Vatikan die Kernkraft eine Form der sauberen Energie im Rahmen einer integrierten Energiepolitik. Auch Papst Benedikt XVI hielt bei einer Rede in seiner Sommerresidenz ÔÇ×eine friedliche Nutzung der Nukleartechnologie weiter f├╝r vorstellbar“.

Es ist unverkennbar, dass die Strompreise zu Beginn des Jahres 2008 enorm gestiegen sind. Insbesondere sollen auch die vor 35 Jahren als umweltfreundliche angepriesenen Nachtspeicher├Âfen (sie werden ├╝berwiegend aus Strom aus Kernkraftwerken, der nachts gen├╝gend zur Verf├╝gung steht, gespeichert) teurer werden.

Rings um Deutschland herum werden weitere neue Kernkraftwerke gebaut, auch in den neuen EU-L├Ąndern Rum├Ąnien und Bulgarien. Warum tun wir uns das eigentlich an, dass wir auf eine saubere, wirtschaftliche und sichere Energie verzichten?

zur├╝ck

GA Leserbrief  'Ringsum neue.._rz

zur├╝ck