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Letzte Änderung: 12.11.2014 

Reinhold Zitzelsberger Webmaster

 

SriLanka 2007

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Sri Lanka – das Land braucht Touristen

-3 Jahre nach der Tsunami-Katastrophe-

Sri Lanka nach dem Tsunami? Überfälle durch die Tamilen? Kann man das Risiko, den Inselstaat im Indischen Ozean zu besuchen, überhaupt eingehen? Wir wagten es im November 2007 und kamen begeistert zurück. Sri Lanka braucht Touristen. Fliegen Sie in das wunderschöne Land, wenn Sie liebenswerte Menschen kennen lernen und darüber hinaus noch einen preisgünstigen Urlaub verleben wollen.

 Unser Hotel 60 km südlich der Hauptstadt Colombo lag 100 m vom Strand entfernt und wurde durch den Tsunami zerstört. Der hauseigene Taxifahrer Nahim zeigte mir noch seine Wunde am Oberarm, die er von der Riesenwelle erlitten hatte. 2 Jahre war er arbeitslos – bis das Hotel wieder seinen Betrieb aufnahm. Heute fährt er wieder die wenigen Touristen zu den schönen Plätzen im Innern der Insel oder zum sensationell günstigen Shopping nach Colombo. Meistens wartet er aber im Hotelfoyer auf Kundschaft. Sein Land braucht dringend Touristen. Trotz eines Superangebotes von weniger als 1.000 € für 3 Wochen Sri Lanka mit Essen und Trinken („all inclusive“) einschließlich eines Tagesausflugs in die frühere Hauptstadt Kandy und des Besuchs des Elefantenwaisenhauses in Pinnawela (78 Elefanten – verletzte, blinde oder uralte sowie Babys werden dort betreut) sind nur 15 der 54 Zimmer belegt. Mehr Personal als Gäste!

Wir haben ein Treffen mit dem Rotary-Club in Colombo, im ehrwürdigen Luxushotel Galle Face, das schon über 100 Jahre alt ist und ein Flair bietet, das wohl einzigartig in der Welt sein dürfte. Heute ist Hochzeitstag, denn die Sterne stehen günstig und viele Paare heiraten. Wer das Geld hat, und davon gibt’s auch auf Sri Lanka einige, der lässt sich in einem der Luxushotels trauen. 300 bzw. 400 Gäste werden bewirtet – alles vom Allerfeinsten.

Danach geht das Paar auf Reise, wobei ein „wedding-Hotel“ ausgesucht wird und das „home coming“ wird auch noch mal gefeiert. Die Frau trägt dann „rot“ statt weiß. Übrigens wird auf die Jungfräulichkeit einer Braut viel Wert gelegt und es wurde uns erzählt, dass das die Schwiegermutter nach der Hochzeitsnacht auch kontrolliert.

Doch zurück zum Rotary-Club von Colombo – eine Gemeinschaft, die sich jeden Donnerstag Mittag trifft, um Gedanken auszutauschen und Gutes zu tun, soziale Einrichtungen unterstützt. Unser singalesischer Bekannter Nalin Fernando, Chef der Rotarier von ganz Sri Lanka, hat sich nach der Tsunami-Katastrophe persönlich für den Wiederaufbau von Schulen und Kindergärten eingesetzt.

Meine Familie und ich werden vom Präsidenten Sunderaraj Prabhu begrüßt (Prabhu betreibt einen Pharma-Handel und war auch schon in Düsseldorf auf einer Messe) und ich halte einen Vortrag über den Rhein, den wohl wichtigsten Fluss Europas. Es sind Welten zwischen den Flüssen Sri Lankas und dem Rhein – der Vortrag kommt gut an, wie die zahlreichen Fragen beweisen.

Mit dem Fahrer Sunil geht’s zurück und man kommt ins Gespräch. Er hat beim Tsunami sein Haus, 100 m vom Strand in Kalutara. entfernt, verloren. Er war unterwegs, während die Riesenwelle sein Haus vollkommen zerstörte. Ein Bulldozer ebnete es danach ein. Er war aber gleichwohl noch glücklich, nach seiner Rückkehr seine vierköpfige Familie nahezu unverletzt wieder gefunden zu haben. Er wohnt jetzt im Haus seines Bruders nebenan, das nicht so zerstört war wie sein Haus.

Sunil lädt uns zu einer „Kokosnuss“ nach sich zu Hause ein; wir sagen „ja“. Es regnet in Strömen und durch eine Landschaft zerstörter Häuser erreichen wir mit nassen Füssen seine Wohnung. Wir ziehen unsere Schuhe aus und kommen in eine große Wohnhalle. Sunil stellt uns seine Frau und seine 19jährige bildhübsche Tochter vor, man ist sich sympathisch. Die Frau schildert uns, wie sie  mit ihren Kindern vor der herannahenden Welle weggelaufen ist – bis zum Bahndamm der Strecke Colombo – Galle. Die Welle erreichte den 400 m entfernten Bahndamm, zerstörte ihn aber nicht.

Die Kokosnüsse werden mit einer riesigen Machete vom „Chef“ des Hauses geöffnet und mit einem Strohhalm trinken wir die köstliche Kokosmilch. Danach wird die Nuss in der Mitte zerteilt und mit einem Teil der harten Nussschale wird das leckere weiße Fleisch herausgeschält. Wir essen es mit Fingern.

Es wird über „Dieses und Jenes“ gesprochen. Die Familie hat als Entschädigung für „Haus und Gut“ 100.000 Rupis (heute ca. 600 €) vom Staat bekommen.

Frau und Tochter (sie war 2007 Schönheitskönigin im Distrikt Kalutara) arbeiten zu Hause und machen Teppiche und Batikkleidung.

Der älteste Sohn (22) studiert in Matara „Management“ und man erhofft sich mit der „Investition“ das große Geld zum Bau eines eigenen Hauses. Ein Grundstück im Hinterland hat man schon.

Ich werde von der Tochter „vermessen“ für ein schwarzes Batikhemd mit weißen Elefanten. Auch so kann man die Menschen unterstützen.

Mit dem Taxifahrer des Hotels, Nahim, brechen wir morgens um 6.30 Uhr zu einer 2tägigen Tour in den Süden der Insel auf. Es gibt nur eine Straße und die führt entlang der Küste. Immer wieder zerstörte Häuser – aber auch aufgebaute neue Siedlungen; aber auch Schiffwracks am Strand, aber auch bunte neue Fischerboote, die nach der Katastrophe den Fischern überlassen wurden. Vor Galle, der vor über 200 Jahren erbauten holländischen Festung im äußersten Südwesten der Insel, halten wir an. Nahim zeigt uns zerstörte Eisenbahnschienen und - waggons, die neben der wieder aufgebauten Strecke noch zu sehen sind. Hier wurde ein ganzer Zug von der Monsterwelle erfasst und hunderte von Menschen wurden getötet. In Galle gab’s übrigens die meisten Toten. Der Zug Colombo – Galle fährt schon lange wieder und ist genau so überfüllt wie beim Tsunami.

Der Süden ist geprägt durch riesige Reisfelder, eine traumhafte Küste, pulsierenden Städten mit vielen Geschäften und bunten Märkten, Fischerbooten, Holzbuden, wo in glühender Hitze der Fang des Tages angeboten wird: Thunfische, Barrakudas, Tintenfische.

Wir passieren einen großen Hotelkomplex, in dem Altbundeskanzler Helmut Kohl den Tsunami überstanden hat. Nahim berichtet, dass von unserem früheren Regierungschef eine größere Spende für den Aufbau eines Krankenhauses eingegangen ist.- allerdings wurde mit dem Neuaufbau noch nicht begonnen

Wir erreichen um 14.00 Uhr unser Hotel, es liegt eingebettet in einer Reislandschaft. Die Zimmer sind o.k. und der Raum zwischen Eingangshalle und Schlafzimmertrakt wird durch einen Teich mit Kois unterbrochen. Traumhaft schön zu einem Preis von 30 € incl. Abendessen und Frühstück.

Wir haben es eilig, denn unser Jeep wartet schon, um uns durch den Badula Nationalpark zu fahren. Er liegt direkt am Meer und es wurde berichtet, dass die Elefanten und andere Tiere vor dem Tsunami rechtzeitig geflüchtet seien und es keine toten Tiere gegeben hätte.

Übrigens waren die Elefanten auch vor uns „geflohen“ – wir sehen sie nicht. Dafür ein ganz besonderes Erlebnis: Auf der Rückfahrt zum Hotel lief uns außerhalb des Parks eine Herde mit über 20 wilder Elefanten bei Dunkelheit über die Straße – nicht ganz ungefährlich für uns, aber ein ganz besonderes Erlebnis.

Sri Lanka nach dem Tsunami, man kann es wieder bereisen (und sollte es auch). Es ist ein schönes Land mit netten Menschen. Hier bekommt man viel Leistung für wenig Geld. Und vor den Tamilen muss man sich nicht mehr fürchten als vor den Terroristen in aller Welt.

1-Zerstörtes Hotel-rz

2-Zug Tsunami-rz

3-Fischer-rz

3

4-Fischangebot-rz

4

5-Nationalparks-rz

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5-Tee-rz

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6-Batikhemd (3)-rz